Der Tagesablauf – Bericht einer Mutter zweier Kinder im Kindergarten Gänsweide:

Der Tagesablauf unseres Waldorfkindergartens in Mannheim-Neckarau ist sehr strukturiert und sehr individuell auf die Kinder abgestimmt. Die Erzieherinnen begleiten die Kinder durch den Tag mit ihrer Herzlichkeit und Wärme. Sie gehen dabei geduldig, achtsam und vorbildlich mit den Kindern um und kennen ihre Kinder sehr genau. Die Kinder ahmen beobachtete Situationen, Gesten und Spiele nach und kennen die Tagesabläufe. Durch die Freiheit, den Regeln und dem Vertrauen der Erzieherinnen spielen die Kinder sehr fantasievolle Spiele und tauchen in ihre Welt, dem Spiel, voll und ganz ein. (Da wäre man selbst gerne auch nochmal Kind in genau diesem Kindergarten.)

Nun hier ein Einblick in den Kindergartenalltag, der sich in dieser Form täglich wiederholt und den Kindern eine enorme Sicherheit dadurch gibt. Bei der Eingewöhnung Ihres Kindes, als Praktikant oder als Hospitant unseres Kindergartens werden sie es selbst erleben – dann wissen Sie, wovon ich spreche.

Bringen und Verabschieden

Ab 7.00 Uhr können die Frühgruppenkinder in den Kindergarten gebracht werden. Um ca. 7.50 Uhr geht jedes Kind in seine jeweilige Gruppe. Der überwiegende Teil der Kinder kommt um diese Zeit.

Die Kinder ziehen sich in der Garderobe aus und verabschieden sich. Jedes Kind hat seinen eigenen Garderoben Platz und die Kinder treffen evtl. hier schon Freunde, mit denen sie in die Gruppe gehen, wo die anderen Kinder mit den Erziehern im Stuhlkreis sitzen.

Morgenkreis

Sie werden von den Erzieherinnen per Handschlag begrüßt und ein warmes herzliches Lächeln wird den Kindern entgegen gebracht. Das einzelne Kind wird intensiv wahrgenommen. Braucht es noch besondere Zuwendung auf dem Schoß der Erzieherin oder setzt es sich fröhlich zu seinen Freunden oder erzählt ein Kind etwas spannendes? Andere Kinder hören zu oder steigen ins Gespräch ein. Dies alles ermöglicht es sich als Gruppe wahrzunehmen und zu sehen wer ist da, wer fehlt, mit wem kann anschließend gespielt werden. Gemeinsam werden Lieder gesungen, Fingerspiele gemacht, erzählt und je nach Jahreszeit etwas gemeinsam geschaffen. (z.B. werden an Ostern ausgeblasene Eier mit Wachsmalstiften bemalt).

Nun wird der Morgenkreis mit dem Morgenspruch aufgelöst und in den einzelnen Bereichen Bauecke, Puppenecke mit Küche, usw. kann gespielt werden.

Freispiel

In jedem Gruppenraum befindet sich eine Küche. Eine Erzieherin zieht sich eine Schürze an und beginnt das Frühstück vorzubereiten. Die Zutaten (ausnahmslos in Bio-Qualität), wurden schon morgens auf den Tisch gestellt. Die Kinder können in Freiheit die tätigen Erzieherinnen nachahmen und helfen die Mahlzeit zuzubereiten. (Dazu gibt es nähere Informationen beim Unterpunkt „Essen im Kindergarten“)

Es ist sehr schön, dass die Erzieherinnen sich diese Aufgaben, das Freispiel und das Vorbereiten des Frühstücks, aufteilen. So wissen die Kinder genau wer ihr Ansprechpartner ist. Und ebenso kann sich die Erzieherin ganz auf die Kinder in „ihrem Bereich“ einlassen und es können intensive Gespräche entstehen. Dabei geht die Erzieherin, die fürs Freispiel zuständig ist, auch alltäglichen hauswirtschaftlichen Dingen nach. Sie säubert die Schafwolle, um damit filzen zu können, sie bügelt und legt Tücher etc. (Als Beobachter dieser Freispielsituation fühlt es sich sehr vertraut und alltagsnah an.) Der ganze Raum wird ins Spiel mit eingebunden. Da werden Bretter, Leitern, Stühle und Tische ins Spiel verbaut. Ebenso Tücher und Schneckenbänder (lange gehäkelte Bänder), Kastanien und Baumscheiben lassen fantasievollem Spielen freien Lauf.

In der Puppenküche wird der Tisch gerichtet und die Puppen umgezogen. Das Familienleben wird nachgespielt.

Einmal in der Woche findet eine Eurythmiestunde satt, in der eine Eurythmielehrerin kommt und mit den Kinder und Erzieherinnen in einer sehr schönen gesungenen Reihe in den Bewegungsraum läuft und macht Eurythmie.

Aufräumen und Händewaschen (ca. 9.30 Uhr)

Ab ca. 9.30 Uhr wird gemeinsam aufgeräumt, dabei beginnen die Erzieherinnen aufzuräumen und koordinieren dabei diese Tätigkeit. Jedes noch so kleine Spielzeug hat seinen Platz. Dieses genaue Aufräumen gibt Orientierung und Sicherheit, denn am nächsten Tag oder im nächsten Spiel finden sich die Dinge am gewohnten Platz wieder. Die Kinder lernen hier fürs Leben gute Gewohnheiten, die sie tagtäglich brauchen.

Schneckenbänder werden aufgerollt in einem Korb gesammelt. Aststücke und Baumscheiben kommen in Weidekörbe. In den Küchenschrank kommt das Porzellangeschirr, sowie das Besteck in den Besteckkasten. (Wenn man das so zu Hause hinbekommen würde, wäre das wunderbar.) Diese Aufräumsituation wird mit einer Ruhe und Geduld der Erzieherinnen gemacht und die Kinder ahmen dies nach.

In dieser Zeit wird auch der Frühstückstisch gerichtet, Platzdeckchen werden verteilt, das Geschirr und die Gläser kommen auf das jeweilige Platzdeckchen und der Tisch wird jahreszeitlich dekoriert.

Die Kinder, die mit Ihrer Tätigkeit (Aufräumen oder Tisch richten) fertig sind, gehen in den Waschraum. Eine Erzieherin geht mit und das Waschen der Hände mit Seife, das Abtrocknen der Finger, das Bürsten der Haare oder das richten der Kleidung nach dem Toilettengang wird als weitere Sinneserfahrung von den Erzieherinnen sehr ernst genommen. Dabei können wieder einzelne Gespräche entstehen und individuelle Begegnungen.

Kinder, die fertig sind, treffen sich in der Garderobe, wo sie selbstständig ein Spiel spielen, bis alle gemeinsam mit einem Reigen in Ruhe in den Gruppenraum an die vorbereitete Essenstafel laufen.

Gemeinsames Frühstück (ca. 10.00 Uhr)

Es wird ein Gebet gesprochen und das Essen wird gemeinsam begonnen. Dabei werden die Kinder von den Erzieherinnen bedient, um sich ganz bewusst auf das Frühstück einlassen zu können. Bei ruhigen Gesprächen und gemeinsamem Essen an einer großen Tafel, können die Kinder wieder die Gruppe als Ganzes erleben und sich als Teil dieser wahrnehmen. Alle essen zur gleichen Zeit das gleiche Essen.

Nachdem gemeinsamen Frühstück nimmt jeder seinen Teller und seine Schüssel und trägt diese auf einen Abräumtisch und geht sich nach dem Händewaschen anziehen. Dabei sind es meist die älteren Kinder der Gruppe, die die Aufgabe des Abwaschens und Raum richtens für den Abschlusskreis übernehmen. Eine Erzieherin betreut sie und hilft tüchtig mit.

Draußen spielen und zweite Freispielzeit (ca. 10.30 Uhr)

Der Witterung angepasste Kleidung wird für den Kindergarten benötigt und auch sehr stark beansprucht. Die Kinder ziehen sich der Jahreszeit entsprechend an. Dabei unterstützt sie die Erzieherin oder ein älteres Kind. Die Kinder können nun selbständig in den Garten gehen. Dort steht Ihnen ein weitläufiges Gartengelände mit Schaukeln, Sandkästen, Kletterbäumen und vielem mehr zur Verfügung. Die Kinder treffen andere Kinder aus den anderen Gruppen und können auf Bäumen klettern, Matschkugeln kneten, mit Schippen und Eimern im Sand buddeln oder sich in kleinen Büschen mit ihren Freunden verstecken.

Auch die Schafe werden immer wieder besucht und müssen von den Kindern und Erzieherinnen ausgemistet und mit Heu gefüttert werden. Diese Erfahrungen, zutrauliche Tiere im Kindergarten zu haben, um die man sich kümmern muss und die man auch füttern kann, sind für alle Kinder sehr wertvoll. Wer hat heute schon die Möglichkeit, so große Tiere tagtäglich um sich zu haben.

Die Erzieherinnen gehen verschiedenen Gartentätigkeiten nach, sie pflegen die Beete, sie kehren die Wege, ernten Obst und Gemüse. Die Kinder können sich wieder aus freien Stücken in die Arbeit der Erzieherinnen einklinken und diese nachahmen. Gerade für neue Kinder sind diese Tätigkeiten der Erzieherin wichtig zur Orientierung und geben Ihnen Sicherheit. Das Kind beschäftigt sich, aber immer in der Nähe seiner Bezugserzieherin. Der Sandkasten vor den jeweiligen Gruppen ist meist die erste Anlaufstelle der neuen Kinder, um von dort aus den Garten immer mehr zu erkunden.

Abschlusskreis und Ende des Vormittags (ca. 12.00 Uhr)

Nachdem Draußenpielen geht es gemeinsam zurück in die Garderobe. Alles wird wieder ausgezogen und es werden die Hände gewaschen und die Haare und die Kleidung gerichtet. Sand und Schweiß werden herunter gewaschen und die Toilette wird besucht. Die ersten fertigen Kinder treffen sich im Gruppenraum im Stuhlkreis, wo sie während des Wartens selbständig ein Spiel spielen, bis alle da sind.

Sobald alle Kinder und Erzieherinnen sich im Kreis eingefunden haben, wird ein Märchen oder eine Geschichte erzählt. Es werden Lieder gesungen und der Reigen gesprochen. Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Lieder, Fingerspiele und Rituale. In der Vorweihnachtszeit z.B. wird das Krippenspiel geprobt.

Der Vormittag ist nun zu vorbei und wird mit einem Lied oder Spruch beendet. Danach werden die Kinder, die 12.30 Uhr abgeholt werden, in die Garderobe begleitet, wo sie sich für den Heimweg anziehen. Wenn alle fertig angezogen sind, werden die Kinder wieder mit einem Lächeln, per Handschlag und Blickkontakt verabschiedet und den Eltern, Großeltern etc. übergeben.

Kinder, die die Nachmittagsgruppe besuchen bleiben in der Gruppe oder wechseln in die Nachmittagsgruppenzimmer. Im Sommer gehen sie noch einmal in den Garten, bis zum gemeinsamen Mittagessen.